Gespräch mit Kurt R. Compagnoni
(Interview aus dem Jubiläumsbuch "Nachtlichter")
Freitagabend. Die Arbeitssitzung ist zu Ende. Ich befinde mich mit Kurt Compagnoni in seinem geräumigen Büro am grossen, runden Tisch. Neben uns eine «Liegende» von Hans Josephsohn. Vor uns noch und noch vorbeiflitzende, hell erleuchtete Züge. Und wie es sich in einem Gespräch um diese Zeit bei einem Glas Wein ergibt, reden wir über Gott und die Welt. Wochen später, als es ums Nachwort zu diesem Buch ging, erinnerten wir uns an jenes Gespräch und einigten uns spontan, es inhaltlich als Interview umzusetzen. – Hier sind sie: die Fragen und Antworten als Nachwort.
Woher stammen die Compagnonis?
Aus San Antonio Valfurva, einem Vorort von Bormio. Wie Debora Compagnoni aus Santa Catarina, die vor Jahren als Ski-Star Bormio im Ski-Zirkus weltberühmt gemacht hat. Von San Antonio ist mein Grossvater Benedetto Ende des 19. Jahrhunderts, wohl zu Fuss, entweder über den Umbrail-Pass oder über Livigno, Zernez nach Davos ausgewandert. Fakt ist, dass er sich in Davos niederliess und eine Familie gründete, aus der mein Vater Riccardo als zehntes Kind hervorging. Bormio, Davos und Zürich: Das sind die geografischen Koordinaten unserer Familie.
Wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?
Ich bin1946 in Zürich geboren und habe die Grundschule in Zürich und Rümlang besucht. Anschliessend absolvierte ich eine vierjährige Lehre als Elektromonteur im väterlichen Betrieb. Erweitert habe ich meine berufliche Ausbildung in der Fachhochschule Brugg-Windisch, die ich mit dem Diplom als Elektro-Ingenieur abschloss. Nach einigen Lehr- und Wanderjahren kehrte ich am 1. September1974 ins Familienunternehmen zurück und war dort in verschiedenen Funktionen tätig, bis ich am 8. Mai1984 von meinem Vater die Leitung des Unternehmens übernahm. Zehn Jahre später, am 22. Februar 1993, wurde die Einzelfirma in die Elektro Compagnoni AG umgewandelt. Damals hatten wir 80 Mitarbeitende, heute sind es rund 140.
Nennen Sie uns eines Ihrer zentralen Unternehmensanliegen?
Die Mitarbeitenden. Sie sind für mich das A und O. Weil gut ausgebildete und motivierte Berufsleute unsere Arbeitsqualität tagtäglich immer wieder von Neuem definieren und damit den Erfolg und die Zukunft unseres Unternehmens mitbestimmen. Entsprechend sorgfältig gehen wir bei der Auswahl künftiger Mitarbeiter vor. Das ist gar nicht so einfach, weil je nach Wirtschaftslage das Angebot an potenziellen Mitarbeitern, welche unsere Ansprüche erfüllen, klein ist. Wichtig bei der Einstellung neuer Mitarbeitender sind für uns primär eine solide Grundausbildung und eine überzeugende Berufserfahrung. Letztlich entscheidend aber ist, ob wir von einem Bewerber den Eindruck haben, dass er daran interessiert ist, sich in unser Team zu integrieren und unsere Unternehmenskultur oder -philosophie zu teilen. Denn mir liegt viel an einem homogenen Team, das sich aus Mitarbeitenden zusammensetzt, die sich gegenseitig spontan unterstützen und die stolz sind, mit ihrem Können dazu beizutragen, dass wir dem Ziel, zu den Besten der Branche auf dem Platz zu gehören, immer wieder einen Schritt näher kommen.
Was tun Sie für den Nachwuchs?
Ich setze mich seit eh und je überzeugt für die Förderung eines fachlich gut ausgebildeten Nachwuchses ein. Darum haben wir auch laufend rund 20 Lehrlinge in den verschiedenen Berufssparten in der Ausbildung. Wir sehen es als gesellschaftliche Verpflichtung und soziales Engagement, jungen Leuten die Möglichkeit zu einer Berufslehre zu geben. Und dann liegt es auch im Interesse unserer Branche, dass wir gemeinsam etwas unternehmen, um den Berufsstand für die Zukunft zu sichern. Natürlich freuen wir uns über jeden Lehrling, der nach seiner Ausbildung bei uns bleibt. Entscheidend aber ist letztlich, dass die jungen Leute Freude an ihrem Beruf haben und dabei bleiben.
Warum feiern Sie das 60-Jahr-Jubiläum Ihres Unternehmens?
Gut, sechzig ist kein klassisches Jubiläumsjahr wie fünfzig, das wir vor zehn Jahren feierten, Aber ein Sprichwort sagt: «Man soll die Feste feiern, wie sie fallen.» Und genau das tun wir. Weil es eine schöne Gelegenheit ist, den Mitarbeitenden in einem würdigen Rahmen für ihren Einsatz und ihre Treue zu danken. Denn da gibt es immer wieder solche, die wir mit 20, 30 und sogar 40 Dienstjahren in die Pension verabschieden dürfen.
Von Ihrer beruflichen Tätigkeit her ist es nicht selbstverständlich, dass Sie ein Buch wie «Nachtlichter» herausgeben. Haben Sie eine besondere Beziehung zu Büchern?
Ja, ich liebe Bücher und lese gerne. Kommt dazu, dass wir vor zehn Jahren, anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums, bereits ein Buch herausgegeben haben, das ein gutes Echo gefunden hat. Ermuntert von diesem Erfolg, habe ich mich entschlossen, den 60. Geburtstag des Unternehmens unter anderem auch mit einem Buch zu feiern, das etwas mit Strom zu tun hat. Wir kamen auf das elektrische Licht. Denn, wann sonst erfüllt Licht seine Aufgabe besser als in der Nacht. Aus diesen Überlegungen heraus kam es zum Buchtitel «Nachtlichter». Es sollte ein Buch mit einem Essay und Bildgeschichten werden.
Der Schriftsteller Urs Widmer und die Fotografen Schaub Stierli, Jules Spinatsch, Walter Pfeiffer und Jozo Palkovits hatten freie Hand, sich textlich und bildlich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das Resultat liegt vor Ihnen. Für mich war die Entstehung des Buches eine aufregend bereichernde Zeit.
Haben Sie einen besonderen Wunsch?
Ja. Ich wünsche mir natürlich, dass die Elektro Compagnoni in zehn Jahren ihr 70-Jahr-Jubiläum feiern kann.